Sozialwissenschaftliche Fakultät
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Summer School 2018: Demoskopie

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„Wir leben in einer Demoskopiedemokratie. Diese verführt die Parteien dazu, in die Gesellschaft hineinzuhorchen, dort die erkennbaren Wünsche zu ermitteln, daraus ein Programm zu machen, dieses dann in die Gesellschaft zurückzufunken und sich dafür durch das Mandat für die nächste Legislaturperiode belohnen zu lassen“ (Richard von Weizsäcker, 1992).

So bezeichnete der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker einst die Folgen politischer Meinungsforschung. Heute stellt die Demoskopie nicht nur einen wichtigen Dienstleistungssektor und Wissenschaftszweig dar, sie ist auch aus der täglichen Politikberichterstattung nicht mehr wegzudenken. Denn die aus Politbarometer und Sonntagsfragen gewonnenen Daten erfahren nicht nur eine hohe mediale Aufmerksamkeit, sie beeinflussen dabei auch politische Akteure, Journalisten und Wähler: Während die Demoskopie für die einen aber ein hilfreiches Messinstrument der öffentlichen Meinung darstellt, sehen Kritiker in ihr ein illegitimes Einflussinstrument, das die repräsentative Demokratie gefährdet.

Das Beziehungsgeflecht zwischen Wählern, Medien, Umfrageinstituten, Parteien und politischen Akteuren hat sich in der modernen Mediendemokratie verändert. So haben sich auch die Bedeutung der Demoskopie sowie die Implikationen für politische Organisationen und Akteure im Zuge der Transformation des Mediensystems, des politischen Systems und der Öffentlichkeit grundlegend gewandelt. Auf der Mikroebene stellen Umfragen für Journalisten und politische Akteure eine wichtige Quelle der Beobachtung der öffentlichen Meinung dar, denn mit immer geringerer zeitlicher Verzögerung liegen repräsentative Ergebnisse zur öffentlichen Wahrnehmung von politischen Themen und der Bewertung von Parteien und einzelnen Politikern vor. Innerhalb der Gesellschaft, des politischen Systems und des Mediensystems führt dies aber auch zu Rückkoppelungsprozesse innerhalb der öffentlichen Meinungsbildung, denn die mittels Umfragen erhobene – vermeintliche – öffentliche Meinung beeinflusst wiederum politische Akteure bei der Schwerpunktsetzung der öffentlichen Politikvermittlung und somit auch den Prozess der öffentlichen Meinungsbildung.

Konzept

Im Zuge der Summer School sollen die Methoden und Instrumente der politischen Meinungsforschung, ihr gesellschaftlicher Stellenwert sowie die Implikationen für das Mediensystem, das politische System und die (politische) Öffentlichkeit interdisziplinär betrachtet werden. Die Summer School der Sozialwissenschaftlichen Fakultät bietet ein Forum, aktuelle Themen über die üblichen Fachgrenzen hinweg zu diskutieren und aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Sie setzt sich aus drei parallelen Blockseminaren der Disziplinen Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Soziologie sowie einem begleitenden Rahmenprogramm aus Vorträgen, Podiumsdiskussionen, etc. zusammen. Die Veranstaltung richtet sich an Studierende der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der LMU, die sich intensiv mit dem Themenfeld der politischen Meinungsforschung befassen möchten. Im Gegensatz zu klassischen Seminaren ist die Summer School an das Format eines Workshops angelehnt, in dem den Teilnehmern unterschiedliche Blickwinkel auf ein Thema aufgezeigt werden sollen und vielfältige Möglichkeiten gegeben werden, sich kreativ einzubringen.

Lehrveranstaltungen – Blockseminare

Demoskopie & Demokratie: Machen Zahlen Politik?

Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft (GSI): Veronika Ohliger, M.A.

Politik und Demoskopie verbindet eine ambivalente Beziehung: Wer in einer repräsentativen Demokratie die Macht des demos vertritt, tut gut daran, seinen potenziellen WählerInnen möglichst oft den Puls zu fühlen. Vor dem Hintergrund der medialen Berichterstattung über (vermeintliche) politische Stimmungen, stellt sich aber die Frage, ob politische Meinungsforschung Trends wirklich nur abbildet oder selbst gestaltet? Auch deshalb halten sich Warnungen vor der (manipulierenden?) Macht der Meinungsforscher in einer zunehmenden Stimmungsdemokratie hartnäckig. In diesem Seminar gehen wir deshalb vor allem der Frage nach, inwiefern Demoskopie politische Akteure, den politischen Willensbildungsprozess und zuletzt die Wählerpräferenzen beeinflusst. Anders formuliert: Wird Politik nicht mehr nach Inhalten sondern nach Zahlen gemacht?

Ort: Oettingenstraße 67, Raum 115
Zielgruppe: BA-Studierende
Leistungsnachweis: Referat & Hausarbeit

Modul:
• P9 (Vertiefung Politische Systeme) oder WP1 (Politische Theorie und Methoden) (BA PO 2010)
• WP5 (Spezialisierung Politische Systeme) oder WP7 (Forschungsmodul) (BA PO 2015)

Vorbesprechung: 09. Juli 2018, 15-16 Uhr; Raum 061 Oettingenstr. 67 (Pflichttermin)
Die Blockseminarsitzungen finden in der Woche vom 08. bis 11. Oktober 2018 statt. Zur Organisation des Seminars und zur Verteilung von Referaten ist die Teilnahme an einem Vorbereitungsseminar am 09.07.2018 (15-16 Uhr) obligatorisch.

Demoskopie & Medien - Die Ambivalenz der Meinungsforschung in der medialen Berichterstattung

Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IfKW): Ursula Ohliger M.A.

Medien gelten als wichtigste Vermittler politischer Inhalte und sozialer Wirklichkeit. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht stellt sich deshalb die Frage: Wie wird über politische Meinungsforschung medial berichtet und welche Effekte hat dies auf Rezipienten, Journalisten und Politischen Akteure? Das Seminar beschäftigt sich dabei mit den Charakteristika, Folgen und Problemen der Politikberichterstattung im Zusammenhang mit demoskopischen Daten. Dabei sollen insbesondere Wahlkampfphasen sowie die Bundestag- & Landtagswahlen 2017 und 2018 im Zentrum der Analyse stehen. Ebenso sollen hier neue Trends der strategischen Wahlkampfplanung wie „Microtargeting“ sowie die Kooperation von Parteien mit Data-Mining-Dienstleistern vorgestellt werden.

Ort: Oettingenstraße 67, Raum 151
Zielgruppe: BA-Studierende
Leistungsnachweis: Referat & Hausarbeit

• Modul: WP 4 Berufspraxis Medien- und Marktforschung

Vorbesprechung: 09. Juli 2018, 14-15 Uhr; Raum 061 Oettingenstr. 67 (Pflichttermin)
Die Blockseminarsitzungen finden in der Woche vom 08. bis 11. Oktober 2018 statt. Zur Organi-sation des Seminars und zur Verteilung von Referaten ist die Teilnahme an einem Vorberei-tungsseminar am 09.07.2018 (14-15 Uhr) obligatorisch.

Meinungsforschung, Machterhalt und Prozesse politischer Meinungsbildung in Autokratien – Russland unter Putin

Soziologisches Institut (IfS): Dr. Michael Rochlitz

Die Rolle von Meinungsforschern für Prozesse politischer Meinungsbildung in Demokratien ist seit langem Thema intensiver Debatten. Aber welche Rolle spielen Demoskopen in einer Autokratie? Mit dieser Frage werden wir uns am Beispiel von Wladimir Putins Russland beschäftigen, mit einem besonderen Fokus auf Putins dritte Präsidentschaft seit 2012.

Dabei werden wir zum einen betrachten, welchen Einfluß Russlands Meinungsforschungsinstitute auf öffentliche Meinung und politisches Verhalten der Bevölkerung haben. Zum anderen spielen Demoskopen aber auch eine zentrale Rolle als Informationsquellen für die führenden Eliten im autoritären Staat, da traditionelle Informationskanäle wegen der Medienzensur als Informationsquelle oft nur eingeschränkt nutzbar sind. Methodisch werden wir vor allem empirisch-analytisch vorgehen, aber auch qualitative Studien und praktische Beispiele werden in den Kurs mit einbezogen.

Ort: Oettingenstraße 67, Raum 123
Zielgruppe: BA-Studierende & MA-Studierenden
Leistungsnachweis: Referat, Hausarbeit & Übungsaufgabe

Modul:
• Bachelor: WP1/1 Soziale Institutionen & WP2/I Sozialer Wandel & WP3/I Soziale Unterschiede
• Master: WP5 Politik & gesellschaftlicher Wandel & WP4 Wirtschaft und Organisatione

Anmeldung

Die Anmeldung zu den Seminaren ist von 1. bis 30. Juni 2018 möglich und erfolgt per Email an die Or-ganisatorin Ursula Ohliger (Ursula.Ohliger@ifkw.lmu.de)
Pro Blockseminar werden maximal 30 Teilnehmer zugelassen. Die Plätze werden nach dem first come – first served Prinzip verteilt.
Bitte geben Sie für die erfolgreiche Anmeldung in Ihrer Email folgende Auskünfte:
- Welches Blockseminar möchten Sie besuchen?
- Studiengang (Haupt- und Nebenfach)
- Fachsemester
- Immatrikulationsnummer

Weitere Informationen & Kontakt

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Organisatorin: Ursula Ohliger

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